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„Für deine Ehre habe ich gekämpft, gelitten“, Stationen der Passion Jesu
Libretto [39 KB]
Der Passionsdarstellung des vorliegenden Werkes liegen – anders als bei vielen anderen Passionskompositionen – nicht allein die Berichte der Evangelisten zugrunde. Sie verwendet auch zahlreiche andere biblische Texte, vor allem Psalmen der Bibel Jesu (des „Alten Testamentes“), sowie sprachliche Anspielungen an solche Texte, um das Geschehen verständlich zu machen (z.B. im Wort des Pilatus: „Ich dulde nicht, daß irgendwer mir ins Gesicht von einem anderen Herrscher spricht als vom göttlichen Kaiser in Rom“, welches an den Wortlaut des ersten Gebotes im hebräischen Urtext anknüpft). Dies dient nicht zuletzt dem Ziel, Jesus wieder als Glied des jüdischen Volkes darzustellen, dessen Denken, Handeln und Leiden nur auf diesem Hintergrund zu verstehen sind (eine Überzeugung, die schon die Evangelisten des „Neuen Testamentes“ leitete). Darüber hinaus greift diese Passion jüdische Forschungen zum Prozeß Jesu auf, insbesondere die von Chaim Cohn. Diese können, zumal seit den Verbrechen an Juden in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, einfach nicht mehr unbeachtet bleiben. Sie führen zugleich zu einem besseren Verständnis der historischen Wahrheit, die in den Berichten der Evangelisten aus verschiedenen Gründen nur noch undeutlich zu erkennen ist. Unbestreitbar ist, dass die Kreuzigung eine ausschließlich von Römern an nichtrömischen „Aufrührern“ vollzogene Todesstrafe war. Dementsprechend nennen die späteren christlichen Glaubensbekenntnisse den für diese Hinrichtung Verantwortlichen auch unumwunden bei Namen. Zeitgenössische Darstellungen lassen ebenfalls über die Rolle des Pilatus und über seinen Charakter keinen Zweifel.
Mit diesen Grundentscheidungen ist das Verständnis des Prozesses Jesu angelegt, wie es im Libretto dieser Passion entfaltet wird. Daher erschien auch die Einbeziehung des „Einzugs“ Jesu in die Stadt Jerusalem als unverzichtbarer Bestandteil des Geschehens (Hartwig Drude).
Gegenüber seinen ersten beiden Oratorien ("Weihnachtsoratorium", "Von den Mühen der Heimkehr") ist die Musik von Matthias Drude in dem Ende 2000 abgeschlossenen Passionsoratorium noch stärker von einem sinfonischen Gesamtkonzept geprägt. Dieses Konzept ergab sich erst während der Arbeit. Daher besteht vor allem der erste Teil noch deutlich aus verschiedenen Nummern, während die folgenden Teile erkennbar den Satztypen "Adagio", "Scherzo" und "Finale" einer viersätzigen Sinfonie folgen. (Matthias Drude)
Matthias Drude, geb. 1960 in Dannenberg (Niedersachsen). Studium Schulmusik, Musiktheorie und Komposition bei Diether de la Motte und Ulrich Leyendecker an den Musikhochschulen Hannover und Hamburg. Lehraufträge für Musiktheorie an den Musikhochschulen Hannover und Lübeck, 1993 Berufung zum Dozenten (2001 Professor) für Musiktheorie an der Hochschule für Kirchenmusik Dresden. 1995 – 2003 auch Lehrauftrag an der Hochschule für Musik "Carl Maria von Weber" Dresden. 2001 und 2004 Wahl zum 1. Vorsitzenden des Landesverbands Sachsen im Deutschen Komponistenverband. Preise und Auszeichnungen: 1987 Arbeitsstipendium "Aufenthalt auf dem Künstlerhof Schreyahn" 1989 Niedersächsisches Nachwuchsstipendium. 1993 “Ernst-Fischer-Preis” für gehobene Unterhaltungsmusik. 1999 Gastprofessur für Komposition an der University of the Philippines. 2000 Kompositionspreis des Sächsischen Musikrats für Streichquartett.
Der Textautor Hartwig Drude, 1935 in Holzminden/Weser geboren, lebt heute in Dannenberg/Elbe. Er war Pastor in einer Gemeinde in Hannover, Dozent in der Ausbildung von Diakonen und fast ein Vierteljahrhundert hindurch Vorstandsmitglied einer großen diakonischen Einrichtung in Niedersachsen. Seine vielfältigen Aufgaben führten ihn zur Mitarbeit in mehreren bundes- und landesweit arbeitenden sozialen und diakonischen Verbänden. Vor allem aber führten sie ihn zur Auseinandersetzung mit der Armutsfrage und damit zu einem vielfach verdrängten Zugang zur Botschaft Jesu und insbesondere auch zu seiner Passion.
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