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Vorstellung des Kompositionsprojekts "Poetische Kommentare zu Bach-Kantaten" und Einladung zum Mitmachen

Einführung in das Projekt

Nachwort (aus: Carola Moosbach: Bereitet die Wege, München 2012, Strube Edition 9143)

Immer häufiger lassen sich fantasiereiche Kirchenmusiker(innen), Ensembles und Konzertveranstalter spannende, innovative Programme einfallen, in denen Alte und Neue Musik kombiniert werden. Die Vorteile liegen auf der Hand. In der Gegenüberstellung von Alter und Neuer Musik profitieren beide: Durch Traditionsbezüge oder gar konkrete Beziehungen zu bestimmten Werken der Vergangenheit erschließen sich neue Werke für die Hörer leichter als dies bei üblichen Uraufführungskonzerten oft der Fall ist. Umgekehrt erfährt Alte Musik in der Begegnung mit Zeitgenössischem eine Aktualität, die sie viel unmittelbarer wirken lässt, eben nicht nur als historisches Dokument einer vergangenen Epoche, sondern als lebendige Musikkultur, die uns etwas angeht.

Nicht immer ist es jedoch einfach, die für eine inhaltlich und musikalisch überzeugende Gegenüberstellung passenden älteren und neueren Werke zu finden, die möglichst auch noch hinsichtlich ihrer instrumentalen und vokalen Besetzung weitgehend übereinstimmen, ein probentechnisch und finanziell nicht unerheblicher Gesichtspunkt.

 

Diese Überlegungen und die sehr frühzeitige Kenntnisnahme von Carola Moosbachs wunderbarem, wenn auch gewagtem Plan, zu sämtlichen Kirchenkantaten Bachs je einen poetischen Kommentar zu schreiben, brachten mich auf die Idee eines groß angelegten Projekts, zu dem alle interessierten Komponistinnen und Komponisten eingeladen sind: Möglichst viele der poetischen Kommentare sollten nach und nach von verschiedenen Komponisten vertont werden. Völlig offen ist dabei, ob auch ein konkreter musikalischer Bezug zur der dem poetischen Kommentar zugeordneten Bach-Kantate intendiert oder gar erlebbar wird.

Um Kosten für zusätzliche Musiker zu vermeiden, sollte die Besetzung der jeweiligen Bach-Kantate oder ein Ausschnitt daraus verwendet werden. Denn Aufführungen werden in der Regel zusammen mit der zugeordneten Kantate J. S. Bachs erfolgen, wobei offen ist, ob die neuen Kantatensätze vor oder nach der Bach-Kantate oder mittendrin erklingen. Denkbar wäre jedoch die Verwendung alternativer Instrumente, z. B. einer Piccoloflöte, wenn dieses Instrument von dem Musiker gespielt wird, der bei Bach Querflöte bläst. Der Schwierigkeitsgrad sollte insbesondere hinsichtlich des Chorparts (sofern vorhanden) höchstens geringfügig über dem der Bach-Kantate liegen. Die Aufführungsdauer einer Vertonung sollte im Hinblick auf die Kürze und verdichtete Aussage der poetischen Kommentare 10 Minuten nicht überschreiten. Sofern die jeweilige Vertonung auch für eine Aufführung mit alten Instrumenten in Frage kommt, kann darauf explizit hingewiesen werden.

 

Auf meiner Website veröffentliche ich eine Tabelle, aus der zu ersehen ist, welche poetischen Kommentare (mit Nennung der zugeordneten Bach-Kantate und des Anlasses - z. B. Sonntag im Kirchenjahr -) schon „vergeben“ sind. Interessierte Komponisten können sich dann per E-Mail oder Post mit mir in Verbindung setzen und sich für die Vertonung eines oder mehrerer poetischen Kommentare bewerben. Der Bewerbung beizufügen ist eine Demo-CD mit mindestens einer eigenen Komposition (wird nicht zurückgeschickt) oder ein Link zu einem Hörbeispiel eigener Musik im Internet. Nach Möglichkeit sollte bereits eine Uraufführung in Aussicht stehen, für die die Komposition geschaffen wird. Ob der Strube Verlag, München, die Notenausgabe veröffentlicht, kann mit ihm im Einzelfall verhandelt werden. Der Verlag vergibt kostenfrei die Vertonungsrechte, wenn die Autorin Carola Moosbach und ich als Projektleiter zustimmen.

 

Ich bin Carola Moosbach sehr dankbar, dass sie sofort von meiner Idee eines Kompositionsprojekts angetan war und dieses uneingeschränkt unterstützt, mit der verständlichen Bitte, dass sich die Komponisten der Komplexität der Aufgabe bewusst sein und sie sensibel – mit einem wachen Gespür für ihre Poesie und für die Musik Bachs – umsetzen mögen („bitte keine seichte Musik und keine Popmusik“). Ebenso danke ich dem Strube Verlag für seine Bereitschaft, Carola Moosbachs „Bereitet die Wege“ in Buchform zu veröffentlichen und auch einige der neu entstehenden Kompositionen in seinen Verlag zu nehmen. Ob das Projekt ein Erfolg wird, hängt von vielen Menschen ab, die sich dafür engagieren können: Komponisten, Kirchenmusiker, Kantoreien, Kirchenvorstände, Dirigenten, Solisten, Chöre, Orchester, Konzertveranstalter, Kulturförderer, Journalisten, Rundfunkredakteure, Tonträgerhersteller. Ihnen allen möchte ich das Projekt ans Herz legen. Es bietet die Chance für einen Weg zeitgenössischer Kirchenmusik, die weder gesichtslos und uninteressant (wie manche gottesdienstliche Gebrauchsmusik) noch hermetisch ist („Avantgarde“), noch sich anbiedert (Sakro-Pop im „Happy-Sound“). Allen, die an diesem Weg mitarbeiten möchten, sei dafür schon jetzt herzlich gedankt.

 

Dresden, im April 2012                  Matthias Drude